Ja moin, Hallo. Hallo zusammen. Hallo. So, wir warten noch auf unseren Moderator. Der ist noch in den Fängen des World Wide Webs unterwegs und versucht, in den Raum zu kommen. Ja. Ja, aber bevor wir jetzt hier warten und uns anschweigen, vielleicht würde ich sagen, nutzen wir die Zeit und stellen uns schon mal vor, damit wir das schon mal gemacht haben. Marcel, willst du vielleicht anfangen? Sehr gerne. Mein Name ist Marcel Bewersdorf. Ich bin Geschäftsführer der Helmes Bewersdorf, einer noch jungen Unternehmensberatung aus Hamburg. Wir beschäftigen uns zu allen strategischen Fragestellungen rund das Thema Handel, Energie und Telekommunikation im Schwerpunkt. Und mein Feedback beziehungsweise mein Hintergrund ist tatsächlich auch der Handel jahrelang verantwortlich für das Online-Marketing und E-Commerce im Unternehmen Poco gewesen innerhalb der Steinhoff-Konzerns und durfte da lange, lange Zeit eben für alle Aktivitäten verantwortlich sein und daher eben auch meine Expertise rund das Thema Retail. Ja, Stefan, du. Ja, ich, also mein Name ist Stefan Zentsch. Oh, da kommt der Stefan Bihn sogar auch jetzt dazu. Ich mache trotzdem einfach mal weiter. Mein Name ist Stefan Zentsch. Ich arbeite bei einer Digitalagentur namens Chaos. Wir sind spezialisiert auf individuelle Softwareentwicklung und Digitalisierung von Mittelständlern, aber auch von Handelsunternehmen. Wir haben einen schweren Handelsschwerpunkt, so kann man es sagen. Bevor ich hierhergekommen bin im letzten Jahr, war ich bei der McCannon in Düsseldorf und dort habe ich fünce Jahre ausschließlich den Kunden Aldi Nord betreut im Bereich des digitalen Marketings und Digitalisierung der Kommunikation. Und davor habe ich dann auch im Handelsunternehmen gearbeitet, nämlich bei Real, und war dort fünf Jahre lang verantwortlich für das digitale Marketing. Genau, daher kommt dann auch so ein bisschen meine Expertise zu dem Thema. Stefan, du siehst aus, als wärst du eingefroren, aber ich hoffe, wir können dich hören und dass du uns auch hören kannst. Also ich sehe alles flüssig. Hört ihr mich? Wir hören dich super. Okay, das Bild wackelt quasi. Es steht, aber es ist nicht schlimm. Es ist ein adäquates Standbild, das dich nicht der schlechtsten ... Nicht der schlechteste Gesichtsausdruck. Okay. Ja, ich grüße euch hier leider aus dem Krankenhaus. Wir hatten ja gestern den Blinddarm rausgenommen, aber geht schon wieder ganz gut. Gerade hier ein paar technische Probleme haben wir jetzt hier drin. Genau, mein Name ist Stefan Bihm, CRO der Offerista Group, verantwortlich für den strategischen Vertrieb und Umsätze in ganz Europa. Aufgebaut, vom Start-up mit an, vor elf Jahren. Und mittlerweile sind wir mit über 300 Kunden in ganz Europa vertreten und beraten den Handel, gerade auch bei dem Transfer von klassischem Handelsmarketing hin zu Online-Marketing. Und ja, genau aus diesem Fundus wollen wir heute auch schöpfen. Freue mich, heute moderieren zu dürfen. Wir haben im Vorfeld einige Fragen, die ich euch ganz spannend sind, mal so ein paar Themen anzureißen und was es heute gehen soll. Das ganze Thema Print unter Druck. In ganz Europa gibt es einfach das ganze Thema rechtliche Einschränkungen: Niederlande, Belgien, Steuern, Opt-in-Aufkleber auf den Postboxen. Dann das ganze Thema auch Nachhaltigkeit, Papierpreise steigen gerade, also auch überhaupt Verfügbarkeit, Akzeptanz der Verbraucher, Wirksamkeit, großes Schlagwort „Werbeverweiger in urbanen Ballungsgebieten. Das soll so ein bisschen das Thema sein: Wo kann es hingehen? Auf der anderen Seite: Was sind Möglichkeiten, es online auszugleichen? Gibt es dort Evidenzen? Gibt es dort auch messbare Ergebnisse, wie einfach der Handzettel oder der Prospekt auch transferiert werden kann in das ganze neue Umfeld, auch in der Akzeptanz der Verbraucherinnen und Verbraucher? Gibt es demografische Spezialisiertheiten, Besonderheiten? Ist es wirklich so, dass Jüngere, Ältere sich so und so verhalten? Und ich denke, da haben wir heute die zwei Experten mit hier an Bord und ich würde direkt mal einsteigen. Und im Hintergrund ist noch Raffi von uns. Sie kann im Chat auch ein bisschen moderieren, falls so Fragen reinkommen kommen, dann sehen wir das auch mit. Ist denn mittlerweile das Standbild aufgetaut? Das zwischenzeitlich schon. Jetzt stehst du wieder, aber es ist ... Okay, gut. Alles klar. Es hindert uns nicht. Genau, wunderbar. Dann, ja, ich habe es gerade schon ein bisschen angedeutet. Vielleicht da noch mal ganz kurz drauf eingehen. Das ganze Thema Klimakrise hat es ja auch deutlich gemacht: Was ist so die Verantwortung des Online-Marketings? Was ist die Verantwortung des Marketings? Ich hatte es auch schon kurz angeschnitten: Es gibt in vielen Ländern, auch auf Europaparlamentsebene, Bestrebungen, einfach das ganze Thema Papierprospektwerbung zu hinterfragen. Es gibt mit dem Vorstoß in Niederlande und Belgien und auch Moskau, auch Leipzig, jetzt einfach zu sagen: Wie können dieser Verteilwahnsinn, kann man schon teilweise sagen, auch gestoppt werden? Gibt er also teilweise sehr harte Worte seitens der Politik, auch Gesetzgebung. Wie seht ihr das? Diese ganze Drucksituation, sowohl rechtlich als auch die Verbraucher als auch das Thema Papierpreis, steigt gerade durch die Decke. Wenn ihr da eine Meinung habt, dann gerne und ich würde dann so nach und nach zu den weiteren Fragen übermoderieren. Gerne. Willst du zuerst, Marcel Kann ich gerne tun. Grundlegend an all den Thesen erst mal ein Haken dran, lieber Stefan. Das Thema Papierpreise, das Letzte, was du angesprochen hast, das korreliert natürlich nicht daraus.Ähm, dass wir Nachhaltigkeitsthema haben und oder, ähm, ein Thema in der Akzeptanz. Das liegt natürlich daran, dass uns Corona in eine neue Zeit gebracht hat und natürlich Papier, ähm, ja, anders genutzt wird heute eben sehr, sehr stark auch im Verpackungsbereich, das heißt also Kartonagen etc. und Papier einfach dadurch auch grundlegend knapp wird. Aber dass natürlich letztendlich der Grund ist, warum viele, viele Händler umdenken müssen, ja, was ihre Verteilung betrifft und auch ihre Art und Weise der Kommunikation. Und dass eigentlich, man darf es fast vielleicht gar nicht sagen, aber eigentlich eine dankbare, eine dankbare Situation deswegen ist, dass wir uns jetzt tatsächlich mal kritisch mit den Themen auseinandersetzen, weil dieser politische Druck, den du angesprochen hast, der ja gerade auch in Holland sehr, sehr stark zu spüren ist, ähm, wo ein Briefkasten pauschal mit bitte keine Werbung ausgeliefert wird, ja, wenn du einziehst quasi, ähm, das ist natürlich bei uns noch nicht so das riesengroße Thema ist, wenngleich du natürlich auch zum Beispiel in Berlin und Co. Riesenwerbeverweigerer hast, sind das aber Themen, die uns heute Gott sei Dank die große Chance geben, dass wir uns mit neuen Fragen beschäftigen dürfen. Wie sprechen wir denn in der Masse unseren Kunden an? Und die Frage auch dahingehend: Ist es überhaupt die Massenkommunikation? Ja, ich sehe das sehr ähnlich und da möchte ich mich auch gerne anschließen, denn ich bin der Überzeugung, diese Debatte um Nachhaltigkeit, jetzt auch politisch getrieben, aber eben auch das Thema Papierpreise, das beschleunigt ja jetzt noch mal einen Prozess, der längst überfällig ist, denn dass die Verteilung von Millionen Prospekten jede Woche nicht mehr zeitgemäß ist. Ich glaube, das sollte uns allen klar sein. Ich glaube, dass hier einfach auch über die vergangenen Jahrzehnte eine gewisse Abhängigkeit entstanden ist. Es war eben auch jetzt bequem, das weiter zu betreiben, weil man weiß, es funktioniert. Man spricht die Verbraucher an und man kann hier einfach in der Masse kommunizieren, so viele Haushalte wie möglich anzusprechen. Große Lebensmitteldiscounter drucken mehr Prospekte jede Woche, als es Haushalte in Deutschland gibt. Das muss man auch sich noch mal so ein bisschen durch den Kopf gehen lassen. Und da ist natürlich grundsätzlich die Frage: Wie relevant ist dieses Medium noch? Wie zeitgemäß ist das und was bringt mir das am Ende des Tages? Ich glaube einfach, dass diese sehr unangenehme Frage: „Was muss ich jetzt hier verändern, natürlich jetzt noch mal sich deutlich stärker aufdrängt, weil jetzt ein ganz konkreter Handlungsbedarf gegeben ist. Und ich glaube einfach, dass wir hier in den nächsten Jahren, in den nächsten Jahren wahrscheinlich eine klare Veränderung der Kommunikation der Händler sehen werden. Diese Prospektabhängigkeit ist natürlich in Deutschland noch mal deutlich stärker ausgeprägt als in anderen Ländern. Also hier ist es wirklich auch vom Verbraucher gelernt und entsprechend auch verbreitet, so zu kommunizieren. Ich habe hier noch mal eine Zahl. Eigentlich ist es sogar ein Momentum. Sorry, Stefan. Eigentlich ist es ein Momentum, wenn man mal ganz ehrlich ist. Weil eins ist klar: Wenn wir mit den Händlern sprechen, der Prospekt ist ein Umsatzbringer, so wird es beschrieben. Lassen wir den Prospekt sein, heißt also, verteilen wir nichts, fehlen Umsätze. Da gibt es schon einen Zusammenhang. Aber diese Kommunikation beziehungsweise dieser Status, das hat auch ein bisschen was, finde ich, mit Komfortzone zu tun und die müssen wir jetzt verlassen aufgrund von Papiersituationen etc. Und daraus entsteht, glaube ich, tatsächlich ein Momentum, dass wir uns jetzt mal kreativ mit anderen Themen auseinandersetzen müssen. Ich wollte noch mal ganz kurz drauf eingehen auf dieses Papierpreisthema. Papierpreisanstieg seit Jahresbeginn – ich habe hier eine Quelle – um 70%. Habt ihr jetzt aus eurer Beratungstätigkeit da Hinweise bekommen, auch seitens von Retailern? Wie schlimm ist es denn? Ich habe ja immer gedacht, dass Corona so ein Brandbeschleuniger wäre. Da würde ich dann in einer weiteren Frage noch drauf eingehen. Aber wie ist denn der Papierpreisanstieg gerade? Ist das ein temporäres Phänomen oder ist es tatsächlich so, dass das jetzt so viel Druck ausübt, gar nicht mal von der Gesetzgebung her, sondern einfach von der Verfügbarkeit von Rohstoffen? Habt ihr da Datenpunkte aus eurem Businessalltag? Also im Alltag würde ich sagen, merken wir das definitiv, dass Kunden immer wieder davon berichten, dass Preise in die Höhe explodieren und tatsächlich auch selbst verhandelte Mengen an Papier nicht zur Verfügung steht und/oder nur mit einem nochmaligen Aufpreis zu einem sowieso schon eigentlich festgeschriebenen Satz zu bekommen ist und/oder sogar nur in kleineren Auflagen, sodass da tatsächlich der eine oder andere wirklich gezwungen ist, alternative Wege zu gehen und/oder sogar auch den einen oder anderen Prospekt entweder deutlich zu kürzen oder gar nicht zu produzieren oder alternativ zu produzieren, dass man jetzt sogar in Tageszeitungen herantritt und auf Tageszeitungspapier das ganze Thema in den Umlauf bringt. Ja, das ist schon Wahnsinn.Also bei uns ist das jetzt nicht so. Wir sind jetzt in die Produktion von Handzetteln nicht wirklich eingebunden, aber ich würde es mal so formulieren: Wir merken es daran, dass die Nachfrage nach digitalen Lösungen und auch die Auseinandersetzung mit „Welche technischen Lösungen muss ich mir denn eigentlich schaffen, digital effizient auf der einen Seite, aber eben auch mit einer großen Reichweite auf der anderen Seite kommunizieren zu können. Das ist ja dann immer so ein bisschen bisher das K. O. Argument gewesen, wobei ich dem nicht so 100% folge, ehrlicherweise, dass ich ja mit dem Printhandzettel deutlich mehr Menschen erreiche, als ich das über digitale Kanäle kann. Vielleicht muss man die Frage oder den Betrachtungswinkel aber etwas verändern, denn die Frage ist ja auch: Wie hoch sind denn die Streuverluste meiner Prospekte? Also wenn ich in jeden Haushalt in Deutschland jede Woche einen Prospekt entsende, muss ich mir auch die Frage stellen: Wie viele Menschen lesen den denn dann tatsächlich und wie viele Menschen triggert das dann auch am Ende bei mir einkaufen zu gehen? Oder ist es wirklich einfach nur eine Art Massenmedium, mit dem ich mir selber so ein bisschen in die Tasche lüge und vor allem mich auch ein bisschen davor drücke, mich damit auseinanderzusetzen: Wie muss ich denn jetzt meine Kommunikation in die digitale Welt transferieren? Das ist natürlich nicht ganz einfach. Ich brauche ein anderes Know-how, als ich das bei einer Handzettelproduktion brauche. Ich muss die Leute natürlich auch erst mal bekommen. Ich muss aber eben auch mich mit deutlich komplexeren Technologien und Entwicklungen auseinandersetzten. Wir merken es dahingehend, dass die Nachfrage nach Technologie an dieser Stelle, nach Personalisierungsmechaniken, nach CRM-Systemen entsprechend steigt. Du hast ein gutes Stichwort gesagt: Sich irgendwie reinbegeben, neu orientieren. Ich frage mich gerade, diese Corona-Phase jetzt auch schon zwei Jahre dauert. Da war ja am Anfang auch radikaler Schnitt in der Printverteilung, wo Händler streckenweise, weil sie einfach nicht geöffnet hatten, die Printverteilung auch eingestellt haben. Wenn man sich den Printprozess im Handel auch mal anguckt – ich meine, ihr seid die Experten mehr als ich – das geht ja über Wochenvorlaufzeiten, die Ware ordern, die Ware in die Filialen bringen, schütten, befüllen, Aufsteller in den Gängen befüllen, das Prospekt kreieren und auch verteilen, drucken et cetera. Wir reden ja teilweise von acht Wochen. Wir reden davon, dass ganze Marketingabteilungen diesen Prospekt herum einen Prozess aufgebaut haben, dass ganze Abteilungen damit beschäftigt sind. Inwieweit ist es denn überhaupt möglich oder was bedarf es, diese Prozesse anzufassen? Denn ich habe immer so das Gefühl, dass es nicht nur die Frage ist, auf welchem Medium verteilen wir, zu sagen: „Ich habe das Prospekt jetzt als PDF, ist auch nicht, denke ich, der weitzeit letzte Schluss. Und ja, wie seht ihr das? Inwieweit war da Corona vielleicht auch ein Brandbeschleuniger, sich mal hinzusetzen und zu sagen: „Oh, jetzt müssen wir aber irgendwie mal neu denken. Habt ihr da Insights, wie der Handel da mit umgeht? Ja, also ich würde sagen, Corona spielte aus meiner Erfahrung heraus – und die ist natürlich sehr geprägt durch den Lebensmitteleinzelhandel – nicht die große Rolle. Ich sehe auf jeden Fall nicht, dass das jetzt noch mal irgendwas in irgendeiner Form beschleunigt hat. Was ich aber sehe, ist, oder wie ich es auch eingangs schon so ein bisschen erklärt habe, so ein Handelsunternehmen – und bei mir ist immer so ein bisschen der Fokus Lebensmitteleinzelhandel – ist natürlich sehr stark geprägt durch den Handzettel. Und damit meine ich nicht nur die Marketingabteilung, sondern das ganze Unternehmen ist geprägt durch diesen Handzettel. Dieser Handzettel, der wöchentlich erscheint, der bestimmte Angebotstage antriggert, der gibt natürlich eine gewisse Taktung vor. Das geht, wie du es gerade eben auch schon gesagt hast, fängt das beim Einkauf an. Das geht über die Marketingabteilung, das geht aber auch über interne Logistikprozesse bis in die Filialen. Alles ist dieser Taktung unterworfen. Und ich würde das Feld gerne noch mal ein bisschen größer machen und vielleicht auch mal so ein bisschen die Hypothese in den Raum stellen oder diese Frage in den Raum stellen: Wie nachhaltig, im Sinne von Kommunikation und wie zeitgemäß ist es denn überhaupt noch, in dieser da Taktung jede Woche zu leben? Natürlich kann man jetzt sagen, ja, das funktioniert ja, das ist gelernt, das funktioniert schon seit vielen Jahrzehnten. Aber wenn ich jetzt in die Zukunft gucke, wenn ich mir jüngere Zielgruppen angucke, wenn ich mir deren Kommunikationsverhalten angucke, bin ich mir ehrlicherweise nicht mehr so sicher, dass das noch im Sinne der Zukunftsorientiertheit eines Handelsunternehmens noch die nachhaltige Art ist, zu kommunizieren, was natürlich dann auch irgendwo den Handzettel als Ganzes infrage stellt, denn da schließt sich ja dann auch so ein bisschen an, wenn ich mir jetzt heute so die 18, 19-Jährigen angucke, deren Kommunikationsverhalten angucke, die Vielfältigkeit der Kanäle, die genutzt werden, auch das Abwenden klassischen Medienkonsums, wie wir es vielleicht auch noch kennen – TV, Print, Funk als die wesentlichen Kanäle, vielleicht noch Out-of-Home. Das wird in Zukunft immer weniger in der Form, wie wir es zumindest kennen, eine Rolle spielen. Das bedeutet für mich, als Handelsunternehmen muss ich mir natürlich jetzt irgendwo die Frage stellen: Wo geht denn da die Reise hin und welche Weichen muss ich denn heute stellen? Denn wenn das ganze Unternehmen sich dieser Taktung unterworfen hat, bedeutet das ja, ich muss ja grundlegende Unternehmensprozesse anpacken und mir Gedanken machen: Wie spiele ich das in Zukunft aus? Wie funktionieren diese Prozesse mit? Ich habe tatsächlich auch keine Antwort, aber meine naive Denke war jetzt, die Transformation von Print zu Digital ist ja kein Schwarz-Weiß. Das ist ja nicht, ich schalte einen Schalter an und plötzlich habe ich keinen Print mehr und habe dann plötzlich nur noch digital. Denn ich glaube schon – und wir merken das ja auch, wenn wir mit Händlern in Beratungsprojekten zusammenarbeiten als Offerista –, dass es durchaus Berechtigungen von Print nach wie vor gibt im ländlichen Raum, wo einfach – wir hatten neulich mal eine Analyse gemacht – überhaupt digitale Verfügbarkeit. In Deutschland ist das tatsächlich noch ein Thema. Gibt es überhaupt Internet? Mal blöd gesagt.Und auch die Werbeverweigerungsquoten sind im ländlichen Raum eher niedrig, in Ballungsgebieten eher hoch. Am Ende ist es, glaube ich, ein Mix. Die Frage, die ich jetzt mir gerade stelle: Ist es wirklich so, dass der Prozess komplett auf links gedreht werden muss? Oder ist es nicht dann, vielleicht sind es andere Kanäle, sind es Push-Kanäle, wo man sagt, okay, man nimmt einzelne Produkte aus dem Prospekt heraus und pusht die in speziellen Kanälen, sei es YouTube, Pinterest, sei es Prospekt-Apps etc. An die diversen Zielgruppen. Meine Frage hinter der Frage: Wird es vielleicht einfach komplexer? Und ist das so ein bisschen die Hemmung, die viele Händler haben? Also so ein eingespielter Prozess mit guten Dienstleistern im Hintergrund für Print versus „Okay, jetzt muss ich verschiedene Channels testen, muss vielleicht unter der Woche an den Kennzahlen rum schrauben. Wie seht ihr ganz konkret diesen Weg der Transformation, der sicher auch noch ein paar Tage dauern wird. Ich glaube, das Prospekt wurde schon viele Jahrzehnte totgesagt. Das gibt es immer noch. Von daher, wie seht ihr das? Oder liege ich falsch? Vielleicht ist es ja wirklich so. Kick macht es ja vor. Ihr habt ja Print komplett eingestampft, gehen voll auf digital, Radio, Digital Out of Home et cetera. Gibt bestimmt ein sehr breites Feld auch. Du hast vorhin gesagt, das ist nicht schwarz und nicht weiß. Das mag ich an der Stelle komplett unterschreiben. Es ist immer ein Grau. Und was Stefan gerade beschrieben hat, auch in den Abhängigkeiten, in den eigenen Abläufen, was jetzt das Thema LEH betrifft, das hast du natürlich auch zum Beispiel im Möbelhandel oder auch in der Baumarktbranche, dass dem geschuldet dann extrem viel dranhängt. Das heißt also, Sortimentierung, Aufbau in den Filialen, ETC, Personalplanung, Umsatzplanung. Wenn du da jetzt mit Veränderungen kommst, kommen natürlich schnell so Antworten wie: „Das haben wir schon immer so gemacht und der Wettbewerber macht es genauso. Wenn wir jetzt die ersten sind, die da die Veränderung anstoßen, was passiert mit unseren Umsätzen? Ich kann dir sagen, wenn du in einem Handelsunternehmen unterwegs bist und das Vorjahr, was getrackt ist, auf einmal an dem Tag heute nicht erreicht wurde, dann entsteht da schon ganz schnell mal Stress. Und wenn das in einer gesamten Woche nicht erreicht wird, dann hast du spannende Gespräche gewonnen. Hast du einen Monat verloren, hast du noch spannende Gespräche verloren. Und dann bist du natürlich auch getrieben durch WKZ, ETC. Das heißt also, auch so ein WKZ-Thema hast du natürlich, was extremst viel Einfluss auch auf deine Kommunikation nimmt und auch in diesem Zulieferthema, woher die WKZ ja generiert werden, durch Hersteller etc., Lieferanten. Die müssen natürlich auch umdenken, weil die sagen: „Okay, ein Prospekt, das ist ein gelerntes Medium. Dafür kriegt ihr x.000 €. Ja, damit verdient der Handel ja auch schon seine ersten Euros. Wie geht dann aber auch eine Zulieferindustrie dann mit digitalen Medien herum? Also das heißt, du hast ja nicht nur an der einen Seite etwas zu lernen. Auch die andere Seite muss viel, viel, viel lernen. Ja, von dem her ist das eigentlich ... Aber wir sind wieder ... Eigentlich kommen wir immer wieder auf diesen Punkt Momentum dadurch, dass wir fremdbestimmt sind. Und diese Fremdbestimmung schafft es momentan, dass wir uns kreativ andere Fragestellungen, mit anderen Fragestellungen auseinandersetzen müssen. Und ich kann nur hoffen und auch appellieren, dass das jeder entsprechend so macht und nicht die Hände in den eigenen Schoß legt und sagt: „Okay, Corona ist irgendwann vorbei. Das soll so sein. Und dann geht alles schnell wieder weiter, weil wenn ich mal überlege, ich weiß nicht, Stefan, wie du es wahrgenommen hast, aber nachdem der Handel wieder in Anführungsstrichen normal unterwegs war und nicht mehr beschnitten war, ist man schnell wieder in alte Muster verfallen. Ja, und da muss man wirklich, wirklich aufpassen. Ja, also das zieht ja so ein bisschen auch, was du jetzt gerade erläutert hast, auch die Frage ab, die sich hier im Chat auch gestellt hat, die ich da sehe, nämlich die Rolle des WKZ und auch, dass natürlich der digitale Prospekt, das in der Form noch nicht schaffen kann. Das sehe ich auch so, aber das ist dann so ein bisschen das, was du vielleicht vorhin als schwarz-weiß, denke, identifiziert hast, Stefan. Denn es ist ja nicht damit getan, dass ich den Prospekt als ein PDF auf einer Webseite oder in andere digitale Kanäle ausspiele oder dass ich jetzt ein Produkt, was ich gerne bewerbe – weiß nicht, die Birnen, die im Angebot sind – jetzt als Social-Media-Ad auf Instagram schalte oder mir ein lustiges TikTok-Video dazu ausdenke. Der Punkt ist halt einfach, die Kommunikation muss sich an der Stelle meines Erachtens perspektivisch verändern, nicht von heute auf morgen, natürlich schrittweise. Ich sehe auch viele Händler, die das schon tun, denn die Zielgruppe von morgen, die bei mir einkaufen geht, die wird da nicht sich mehr getriggert fühlen, dass die Birnen jetzt irgendwo im Angebot sind oder dass die Butter 5 Cent günstiger beim Aldi als beim Lidl ist. Die werden aus ganz anderen Motivationen einkaufen gehen. Auch hier muss man sich noch mal so ein bisschen angucken, das Feld so ein bisschen erweitern: Was führt denn auch jetzt im Lebensmittelhandel, insbesondere denn dazu, dass ich bei einem bestimmten Händler einkaufen gehe? Was führt denn dazu, dass ich zum Lidl fahre und nicht zum Aldi? Meistens sind das tatsächlich ganz andere Faktoren als der Preis und der Prospekt, der irgendwie gestreut wurde, sondern es spielen Sachen wie: Was ist denn näher an meinem Wohnort? Oder was liegt denn auf dem Weg von der Arbeit nach Hause auf dem Weg? Was ist denn praktisch für mich, da einkaufen zu gehen? Deswegen glaube ich, dass das Thema Convenience, also wie kann ich das Einkaufen den Menschen einfacher machen, eine viel, viel maßgeblichere Rolle spielen wird, als das heute vielleicht noch der Preis tut.Ähm, und ich muss mir als Hand-- Händler überlegen, jetzt gucke ich mal so auf die die nachkommenden neuen Händler im Lebensmitteleinzelhandel, beispielsweise so wie Picknick, äh, die überhaupt nicht mehr in dieser Wochentaktung unterwegs sind im Sinne von „Ich schicke dir jede Woche Angebote", sondern, äh, deren Strategie ist es eben, dass den Menschen, den Kunden so einfach wie möglich machen, bei ihnen einzukaufen, nämlich dass sie das alles nach Hause liefern, dass sie eine App haben, die total intuitiv zu bedienen ist. Ähm, und das bringt natürlich noch mal ganz andere Faktoren da rein: Wie gewinne ich und wie binde ich vor allem dann, äh, äh, die Kunden an mich? Nämlich eben nicht mehr über eine reine aggressive Preiskommunikation, sondern eher über Convenience, über Service. Ähm, und das, glaube ich, wird den, den, den Handel, äh, auch in Deutschland, äh, maßgeblich verändern. Amazon ist ja auch ein gutes Beispiel, um mal so ein bisschen was Non-Food-Mäßiges reinzubringen. Also Amazon, ich weiß gar nicht, wie lange geht jetzt die Session? Die geht eine halbe Stunde nur, ne? Oder? Bis halt, ja. Okay, dann... Wir haben noch vier Minuten. Ja, genau. Mit Blick auf die Uhr. Ähm, ich vielleicht aus eigener Erfahrung noch mal zu sprechen. Wir haben jetzt zahlreiche große, fast schon Beratungsprojekte, könnte man sagen, als Offerista, ähm, international angestoßen, wo es wirklich darum geht, 'ne Divers-- Diversifikation auch in unterschiedlichen Ländern: Wie hoch ist der digitale Reifegrad je Land? Ähm, wie ist die Affinität je Land zu digitalen Medien? Und es ist genau das, ich kann es bestätigen, es ist eben nicht nur zu sagen, ich schalte jetzt Pinterest an und dann funktioniert da irgendwas. Also, auch die Kreation digital und vor allen Dingen die Kopplung, ähm, mit Print zusammen, weil kein Händler, und da stimme ich wiederum auch Marcel zu: Ähm, Print funktioniert streckenweise sehr, sehr gut. Das wissen die Händler und die Werbewirkungsanalysen, die wir immer mitfahren, die zeigen das ja auch, dass Digital und Print sich einfach ausbalancieren. In Gebieten, wo geringe Werbeverweigerer sind, ähm, da wird kein Händler Print abschalten. Und ich bin-- Ich meine, ich bin jetzt Digitalo, aber ich, ich weigere mich immer so dann zu sagen, so 'ne belehrende Ratschläge sind Schläge, sage ich immer, sondern wirklich reinzugucken, die Daten und im Optimal für, für den Händler ein Strategiepapier zu erzeugen. Und dann komme ich nämlich genau auch auf den Punkt, den du gesagt hast. Ich glaube, es gibt noch ganz andere Mitbewerber, ja, ähm, auch mal Amazon und Co. Ähm, ich kann jetzt leider im Chat nicht fragen, wer ist Prime-Kunde bei Amazon, aber das sind halt auch Themen, denen man sich widmen muss. Mit Blick auf die Uhr. Ich hätte noch eine kleine-- Das haben wir nicht geprobt, aber vielleicht macht es das ein bisschen spannender. Wenn ihr allen Entscheidern des Handels, ähm, und teilweise sind ja die Entscheider vielleicht noch nicht mal im Messenger-Zeitalter angekommen, eine SMS schreiben könntet, ähm, mit so einem kleinen „Hey, was würdet ihr ins Hausaufgabenheft schreiben, zu dem ganzen Thema: „Wie kann Print und Online, ähm, einfach-- Womit sollten sie sich beschäftigen? Was würdet ihr solchen Marketing-und Geschäftsführern, Vorständen schreiben, so als kleinen Auftrag, deine Idee? So in hundertsechzig Zeichen. Ich zähle nicht mit, der kann auch zweihundert Zeichen sein. (lacht) Da würde ich es viel einfacher machen. Ich brauche keine hundertsechzig Zeichen. Ja, okay. Ich brauche keine hundertsechzig Zeichen. Ich würde mit zweien wahrscheinlich auskommen, beziehungsweise mit zwei, mit zwei Wörtern. Ähm, sei kritisch, ja? Also sei kritisch mit all dem, was du da gerade tust und hinterfrag dich einfach immer wieder. Ähm, und ich glaube, daraus reflektierend entsteht doch eine ganze Menge, wie du es gerade beschrieben hast. Ähm, es gibt so viele wunderbare Beispiele dafür, dass das Thema Preis nicht mehr im Vordergrund steht in einer Kommunikation, ähm, dass die Menschen gar nicht mehr so preisgetrieben sind. Natürlich gibt es Zielgruppen, die extremst preisgetrieben sind und mein Gott, ich möchte das gar nicht verallgemeinern, aber man lernt ein, ein Umdenken, ja. Flaschenpost ist auch ein schönes Beispiel dafür, ja, wo Getränke teurer verkauft werden, ähm, aber mir einfach bis Freiverwendungsort quasi transportiert werden, ohne dass ich mich mit irgendetwas beschäftigen muss. Ähm, und das sind Themen, wo Menschen in Zukunft sicherlich bereit sind, mehr Geld zu bezahlen, sodass sich dahingehend natürlich auch eine Art und Weise der Kommunikation ändern muss. Also mein Statement wäre: Sei kritisch, hinterfrag dich. Ja, also ich würde es vielleicht doch ein bisschen konkreter machen. Ähm, also ich würde den, den, den, den Entscheidern in den Handelsunternehmen, und das ist auch das, äh, was ich tagtäglich tue, äh, sehr stark empfehlen, sich mit dem Thema Daten und Technologie auseinanderzusetzen, äh, weil ohne den funktioniert Kommunikation bald nicht mehr. Äh, heute geht das noch. Äh, äh, natürlich ergänzend sollte man schon sich darüber Gedanken machen, äh, aber das ganze Thema Personalisierung, effiziente Kommunikation über digitale Kanäle, das wird das Thema in der Zukunft sein. Ne, wenn man es jetzt noch ein bisschen größer macht, auch mit Blick auf, äh, so Geschichten wie Meta, äh, da muss ich mir natürlich auch als Unternehmen Gedanken machen: Wie finde ich denn da kommunikativ in Zukunft noch statt? Ähm, und wie schaffe ich es, über diese Kanäle, äh, auf Basis von Daten effiziente Kommunikation zu betreiben? Das bedeutet wiederum, ich muss mich sehr intensiv mit Technologien auseinandersetzen und daran schließt sich auch, äh, dann entsprechend an, dass ich mir die Leute dafür holen muss, die das, die das bauen und entwickeln können, äh, in-house, äh, sowohl als auch, äh, mit, mit, mit externen Dienstleistern. Ja, dann, was würde ich schreiben? Hab ich grade überlegt. Unterschrieben! Sehr gut. Ich glaube, ich würde schreiben, ähm: „Stelle dich der Herausforderung der Transformation für deine zukünftigen Zielgruppen durch harte Werbewirksamkeitsmessungen." Irgendwie so in die Richtung, ja. Also: „Brech die Prozesse auf und guck, wie erreiche ich zukünftig noch meine Umsätze in fünf Jahren?" Und da kann man nicht zeitig genug anfangen. Ja, mit Blick auf die Uhr. Ich möchte noch mal entschuldigen für die, äh, A für die Kleiderordnung, B für hier die ganzen Drainagen, die da liegen, hier aus dem Krankenhaus, ähm, und für die schlechte Bildqualität. Aber ich fand es eine gelungene Runde. Vielen Dank, Marcel. Vielen Dank, Stefan, für die teilweise auch kontroversen Meinungen. Es ist ein weites Feld. Fest steht, es gibt zahlreiche Einflussfaktoren. Es ist sehr heterogen. Es gibt nicht die eine Antwort. Fest steht aber auch, man darf sich dem Ganzen widmen und wie Corona es gezeigt hat, wenn du von heute auf morgen Prospektverteilung auch wegbricht, ähm, dann, dann bewegt sich einfach da auch was in den Marketingentscheidern. Ähm, dennoch eben auch, Print hat natürlich nach wie vor irgendwo einen Stellenwert, ähm, genauso wie online. Von daher sind wir in einer wunderbaren Übergangsphase. Ähm, wohin auch immer, hoffentlich zu immer im Hinterkopf behalten. Die Klimakrise beschäftigt uns alle. Wie können wir da einfach auch noch diese Themen mit in unser tägliches Business reinbringen und drüber sprechen? Ja, dann vielen Dank. Danke dir, Stefan, dass du das wirklich gemacht hast, äh, heute hier auch daran teilzunehmen. Absolut. Extrem. Also dann bis dahin. Und ja, wenn es Fragen an den Teilnehmern im Plenum gab, dann gerne auch im Nachgang. Sie können sich noch mal an uns wenden. Die Kontaktdaten sind ja hinterlegt. Selbstverständlich. Und allen noch eine super Konferenz. Ciao. Viel Spaß. Danke. Tschüss.
Automatisch erstellt & redaktionell aufbereitet — kann vereinzelt Fehler enthalten.