Zusammenfassung
MessengerPeople-Geschäftsführer Matthias Mehner erklärt, wie Messenger wie WhatsApp und Instagram Direct Messages zum zentralen Kanal für Kundenberatung und Sales werden – und warum Deutschland beim Social Media Marketing über Messenger noch hinterherhinkt.
Social Media Marketing mit Messenger: Der unterschätzte Kanal
Messenger sind längst mehr als nur private Chat-Apps. Sie sind für Unternehmen ein zentraler Kanal im Social Media Marketing geworden – zumindest in vielen Ländern. MessengerPeople, eine SaaS-Lösung aus München, hilft Unternehmen, professionelle Kommunikation über WhatsApp, Instagram und andere Messenger zu skalieren. Gegründet vor etwa fünf bis sechs Jahren, beschäftigt das Unternehmen inzwischen etwa 60 Mitarbeiter und betreut über 2.500 Kunden weltweit.
Doch während in Südeuropa, Brasilien oder Indien der Messenger längst zur Standard-Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden gehört, ist Deutschland beim Messenger-Marketing noch Entwicklungsland.
Messenger vs. klassisches Social Media Marketing
Um zu verstehen, wie Messenger in deine Social Media Strategie passt, hilft ein Vergleich: Klassische Social Media Marketing-Kanäle wie Instagram mit Feed, Reels und Stories sind das Schaufenster. Sie bauen Reichweite auf und machen dich bekannt. Der Messenger kommt danach – er ist das Werkzeug, um Interessenten in Kunden zu verwandeln.
Ein gutes Bild: Instagram Stories und Reels wecken Aufmerksamkeit, Instagram Direct Messages konvertieren zum Kauf. Genauso funktioniert es mit WhatsApp oder anderen Messengern. Sie haben von Haus aus keine organische Reichweite, dafür aber eine extrem hohe Konversionsrate, weil die Kommunikation direkt, persönlich und in Echtzeit stattfindet.
Use Cases: So nutzen Unternehmen Messenger-Marketing in der Praxis
Die Beispiele zeigen, wie vielfältig Messenger-Marketing sein kann:
- Customer Service: E-Commerce-Unternehmen wie Otto, Hess Natur oder WomensBest nutzen Messenger primär für Kundenservice nach dem Kauf – schneller und persönlicher als E-Mail.
- Kundenberatung vor dem Kauf: Das war nicht geplant, aber Kunden fragten von sich aus: "Könnt ihr mich auch über Messenger beim Einkaufen beraten?" Das führte zu neuen Use Cases.
- Farbberatung im E-Commerce: Miss Pompadour, ein kleiner Farbenhändler aus Regensburg, ist das Paradebeispiel. Das Unternehmen wollte seinen stationären Laden schließen und online gehen – aber wie vermittelt man die persönliche Beratungskompetenz digital? Antwort: WhatsApp. Heute bearbeitet Miss Pompadour 500 Anfragen täglich über WhatsApp, und von diesen 500 Anfragen führen 400 zu einem Kauf. Messenger-Marketing ist hier nicht nice-to-have, sondern der Kernkanal.
- Innovative Service-Ideen: Die Deutsche Bahn nutzt WhatsApp nicht nur für Kundenservice, sondern auch für spontane Bürgerbeteiligungen – Kunden können Fotos von verschmutzten Bahnhöfen schicken und ein Reinigungsservice rückt an.
Chatbots und Automatisierung: Mensch bleibt zentral
Eine häufig gestellte Frage: Wie viel kann man mit Chatbots und künstlicher Intelligenz automatisieren?
Die ehrliche Antwort von MessengerPeople: Von den 2.500 Kunden nutzt praktisch niemand KI-gestützte Chatbots – weil den meisten Unternehmen die Daten dafür fehlen. Viele KI-Chatbots funktionieren schlicht nicht gut genug.
Was dagegen funktioniert und 80 Prozent der MessengerPeople-Kunden nutzen, ist intelligente Automatisierung auf First-Level-Ebene: Häufige Fragen werden vorab abgefragt, Templates helfen dem menschlichen Berater, schneller zu arbeiten. Insgesamt lassen sich etwa 70–80 Prozent der Prozesse automatisieren – aber der Mensch bleibt im Zentrum.
Das klare Fazit: Lass deinen Chatbot nicht unvorbereitet auf Kunden los. Es funktioniert einfach noch nicht. Nutze Automatisierung als Unterstützung, nicht als Ersatz.
Tipps zum Einstieg ins Messenger-Marketing
Wenn du gerade mit Messenger-Marketing anfangen möchtest, sind die Use Cases sehr unterschiedlich – es gibt keine Standard-Lösung. Hier sind zwei konkrete Einstiegstipps:
- Denk "Telefon und E-Mail", nicht "Social Media": Messenger sind kein Social-Media-Kanal wie Instagram oder TikTok. Behandle sie wie Telefon und E-Mail. Wo kommunizierst du heute viel mit Kunden per Telefon oder E-Mail? Was davon lässt sich digital über Messenger abbilden? Das ist dein Einstieg.
- Start mit Kundendienst und Beratung: Kundenservice nach dem Kauf und Kundenberatung sind bewährte Einstiegs-Use-Cases. Damit machst du nichts falsch.
Deutschland hinkt hinterher – aber das ändert sich
Ein interessantes Phänomen: In Brasilien, Indien oder Spanien ist Messenger-Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden längst Standard (80–90 Prozent). In Deutschland liegen wir noch bei 5–10 Prozent. Geh auf fünf italienische Hotelwebseiten – spätestens auf einer findest du einen "Schreib mir über WhatsApp"-Button.
Warum ist Deutschland so weit hinten? Der Hauptgrund ist überraschend: Es ist ein Mindset-Problem. Viele deutsche Unternehmen haben Angst vor zu vielen Kundenanfragen. Das Denken ist: "Wenn ich Messenger anbiete, kommen ja so viele Kunden auf mich zu – das will ich gar nicht." Lieber einen schönen Instagram Post machen, der 1.000 Menschen sehen, als 20 Kunden, die tatsächlich kaufen möchten. Das ist eine verzerrte Priorität.
Dazu kommen Datenschutz-Bedenken, wobei die DSGVO längst etabliert ist und MessengerPeople diese Compliance standardmäßig anbietet.
Die gute Nachricht: Nach dem Corona-Dip merkt MessengerPeople, dass sich das ändert. Immer mehr Unternehmen kommen und sagen: "Wir müssen da jetzt anfangen."
Warum die menschliche Nähe der Schlüssel ist
Das zentrale Versprechen von MessengerPeople ist nicht einfach Software – es ist der Glaube, dass Kommunikation mit Unternehmen genauso einfach und persönlich sein sollte wie mit Freunden, Familie oder der Sportgruppe. Dafür braucht es nicht nur Technologie, sondern auch Menschen, die wissen, wie man Messenger-Marketing richtig umsetzt. Deshalb kombiniert MessengerPeople Software mit Beratung und Support.
Für dein Social Media Marketing bedeutet das: Messenger sind nicht der Ort für Broadcast-Marketing. Sie sind der Ort für echte, persönliche Dialoge mit deinen Kunden – und genau das ist in Deutschland noch eine große Chance.
Häufige Fragen
Was ist Messenger-Marketing und wie unterscheidet es sich von Social Media Marketing?
Messenger-Marketing nutzt Apps wie WhatsApp oder Instagram Direct Messages für direkte 1:1-Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden. Anders als klassisches Social Media Marketing (das Reichweite über Posts, Stories und Reels aufbaut) dient Messenger primär der Konversion: Interessenten werden in Kunden verwandelt. Messenger haben keine organische Reichweite, aber sehr hohe Konversionsraten.
Wie viel Kundenkommunikation kann man mit Chatbots automatisieren?
Etwa 70–80 Prozent der Prozesse lassen sich automatisieren – aber nur auf First-Level-Ebene (häufige Fragen abfragen, Templates bereitstellen). KI-gestützte Chatbots funktionieren in der Praxis meist nicht, weil Unternehmen die Daten dafür nicht haben. Der Mensch bleibt im Zentrum der Beratung und sollte nicht durch einen Chatbot ersetzt werden.
Welche Unternehmen profitieren am meisten von Messenger-Marketing?
Besonders E-Commerce-Unternehmen, Dienstleister und Betriebe mit hohem Kundendialog profitieren. Beispiele: Online-Einzelhandel (Otto, Hess Natur), spezialisierte Händler (wie Miss Pompadour mit Farbberatung), Bahn (Deutsche Bahn), Hotels und Reiseanbieter. Überall dort, wo Beratung und schnelle Antworten zentral sind.
Warum ist Messenger-Marketing in Deutschland noch nicht verbreitet?
Das Hauptproblem ist ein Mindset-Problem: Deutsche Unternehmen haben oft Angst vor zu vielen Kundenanfragen. Sie bevorzugen es, einen schönen Instagram Post für 1.000 Zuschauer zu machen, statt 20 Kunden direkt zu bedienen. Dazu kommen unbegründete Datenschutz-Bedenken. In anderen Ländern (Spanien, Italien, Brasilien) ist Messenger-Kommunikation längst Standard.
Wie starte ich mit Messenger-Marketing?
Behandle Messenger wie Telefon und E-Mail, nicht wie Social Media. Überlege: Wo kommuniziere ich heute viel mit Kunden per Telefon oder E-Mail? Was davon lässt sich digital abbilden? Ein bewährter Einstieg ist Kundenservice nach dem Kauf oder Kundenberatung vor dem Kauf.