Zusammenfassung
Dominik Angerer, CEO und Founder von Storyblock, erzählt von der Entstehung des Headless CMS: Als Agentur-Gründer suchte er 2015 nach einer Lösung, die technische Flexibilität mit benutzerfreundlichem Content Marketing verbindet. Storyblock wuchs von 1.000 Usern nach dem Launch 2017 auf 100.000 Projekte in 130 Ländern – profitabel bereits nach einem Monat. Die 100% Remote-Kultur ermöglicht es dem Unternehmen, die besten Talente global zu rekrutieren.
Storyblock: Wie eine Agentur zum Headless-CMS-Unicorn wurde
Dominik Angerer, CEO und Founder von Storyblock, blickt auf eine faszinierende Gründungsgeschichte zurück. Gemeinsam mit seinem Co-Founder Alexander entstand die Idee für Storyblock 2015 in einer Agentur – aus einer echten Notwendigkeit heraus. Denn damals kündigte das damalige Enterprise Content Management System den Support auf: "Hey, wir schalten das komplette System in den nächsten sechs Monaten ab." Damit war klar: Eine neue Lösung musste her. Doch die bestehenden Optionen – ob Adobe, Sitecore, WordPress, TYPO3 oder die frühen Headless-CMS-Systeme – hatten ein fundamentales Problem. Sie waren entweder technisch flexibel (Entwickler liebten es), aber für Content-Manager unbrauchbar, oder umgekehrt. Dominik fasst das Problem prägnant zusammen: "Unsere Kunden haben gesagt: 'Ich kann da nicht mal Inhalte einpflegen und weiß, was damit passiert."
Die Idee: Visueller Editor trifft auf Kopflose Architektur
Storyblock sollte diese zwei Welten verbinden. Mit einem Storytelling-orientierten, komponentenbasierten Ansatz: Redakteure sehen eine Live-Preview ihrer Website, können Content unabhängig von der Plattform pflegen – während Entwickler die volle technische Freiheit haben. Das Konzept funktionierte. Nach nur anderthalb Jahren mit Early-Customers in der Agentur hatte Storyblock bei jedem Projekt etwa 60% der Umsetzungszeit gespart.
"Vielleicht wollen das auch andere machen," dachte sich Angerer. Im September 2017 launchteten sie Storyblock offiziell.
Das explosive Wachstum
Die Zahlen sprechen für sich:
- Oktober 2017: 1.000 User – und bereits profitabel
- Januar 2018: 3.000 User (drei Monate später)
- Ende 2018: 10.000 User
- Ende 2019: 25.000 User
- Heute: 100.000 Projekte in 130 Ländern
Besonders bemerkenswert: Sie waren bereits nach einem Monat profitabel. Ein Beweis dafür, dass der Storytelling-Ansatz mit Blöcken wirklich einen Marktbedarf erfüllte.
100% Remote Work: Talent > Geografie
Storyblock war von Anfang an radikal remote. Das war keine Pandemie-Reaktion, sondern eine bewusste Entscheidung: Als Alexander 2018 nach Rio de Janeiro zog, stellte sich die Frage: Wo findet man die besten Entwickler, Content-Manager und Sales-Talente? Die Antwort war klar – überall auf der Welt, nicht nur in Linz oder Rio.
"Wenn wir uns auf Linz und Rio fokussiert hätten, hätten wir die besten Leute wahrscheinlich nicht gefunden," erklärt Angerer. Stattdessen rekrutierten sie gezielt aus Barcelona, Frankreich und anderen Hubs, wo sie Top-Talente finden konnten – von Customer-Success-Profis bis zu Business Development Representatives.
Wie funktioniert Remote Culture bei 100 Menschen aus 30+ Ländern?
Die Onboarding-Automatisierung ist das eine: Tools wie Slack-Erweiterungen und spezialisierte HR-Plattformen kümmern sich um Verträge, Geräte-Versand und Setup. Aber die Kultur – das ist die echte Herausforderung.
Storyblock hat da einen kreativen Weg gefunden:
- Donut-Bot: Eine Slack-Erweiterung, die zufällig Mitarbeiter zu virtuellen Coffee-Chats verkuppelt – eine Remote-Version der österreichischen Coffee Culture
- Slack-Kanäle als Kulturräume: Anime-Channel, Cooking-Channel – Mitarbeiter bilden Gruppen ganz organisch
- Gemeinsame Projekte: Ein gemeinsames Kochbuch, "Storyblock around the World" (ein interner Reiseführer), wo jeder seine Lieblingsplätze teilt
- Dedicated Onboarding Team: Menschen, die explizit für Culture und Teambuilding verantwortlich sind – auch remote
Angerer betont einen wichtigen Punkt: Hybrid-Work ist eigentlich schwächer als full-remote oder full-office. "Der hybride Gedanke ist das schwierigste umzusetzen, weil du dadurch immer eine Kerngruppe im Büro hast und dann Remote Leute, die auch da sind. Das ist ein schwieriges Thema." Full-remote macht das paradoxerweise leichter – alle sind gleich, niemand sitzt "drin".
Die Company Culture trotz 100% Remote – Ja, es geht
Können Unternehmen ohne physisches Büro eine echte DNA entwickeln? Storyblock hat seine Antwort gegeben: Sie launchteten eine neue About-Page, komplett von Mitarbeitern betrieben. Das Ergebnis zeigt: Die Storyblock Culture ist real, sie wächst, und sie braucht keine Büros um die Ecke.
"Man muss von diesem Gedanken wegkommen, dass man sich immer gegenüberstehen muss," sagt Angerer. Kulturelle Bindung entsteht durch gemeinsame Mission, gemeinsame Projekte und absichtlich gestaltete Räume – digital oder analog.
Was erwartet uns 2022?
Storyblock plant explosives Wachstum: Die Team-Größe soll auf 330 Mitarbeiter verdreifelt werden – nicht nur in Europa, sondern auch in Amerika und APAC (Australien/Pazifik). Technisch arbeitet das Team an Version 2 der Applikation, die es erlaubt, zwischen den Versionen zu wechseln – ohne jede Migration oder Update-Zwang.
"Ich gehe davon aus, dass ihr uns noch auf einigen Events sehen werdet," verspricht Dominik mit Blick auf zukünftige Veranstaltungen.
Häufige Fragen
Was ist Storyblock und wie unterscheidet es sich von klassischen CMS?
Storyblock ist ein Headless CMS mit visuellem Editor. Anders als traditionelle Systeme (WordPress, TYPO3) oder rein technische Headless-Lösungen kombiniert es Developer-Freiheit mit benutzerfreundlicher Content-Pflege. Redakteure sehen eine Live-Preview ihrer Website, während Entwickler Inhalte unabhängig von der Frontend-Plattform verwalten können.
Wie schnell ist Storyblock gewachsen?
Storyblock wuchs vom Launch im September 2017 mit 1.000 Usern (bereits profitabel nach einem Monat) auf 100.000 Projekte in 130 Ländern. Im Jahr 2018 verdoppelte sich die Nutzerbasis auf 10.000, 2019 waren es 25.000 Nutzer.
Kann ein Unternehmen wirklich 100% remote operieren und dabei eine starke Kultur aufbauen?
Ja – aber es braucht bewusstes Design. Storyblock nutzt Tools wie Slack-Erweiterungen für zufällige Kaffee-Chats, schafft Kultur-Kanäle und lädt Mitarbeiter zu gemeinsamen Projekten ein. Der Schlüssel ist, Kultur nicht als Nebeneffekt von Büro-Präsenz zu sehen, sondern aktiv zu gestalten.
Warum war Storyblock von Anfang an remote?
Die Gründer wollten die besten Talente weltweit rekrutieren, nicht nur in Linz oder Rio de Janeiro. Remote-Work ermöglichte es ihnen, Top-Kandidaten aus Barcelona, Frankreich und anderen Hubs einzustellen – und das schon 2018, Jahre vor der Pandemie.
Ist Hybrid-Work besser als Full-Remote?
Nein, sagt Dominik Angerer. Hybrid-Setup schaffe an ungewöhnliche Dynamik: eine Kerngruppe im Büro und Remote-Mitarbeiter, die sich benachteiligt fühlen. Full-Remote ist paradoxerweise leichter umzusetzen, weil alle gleich sind. Dasselbe gilt für Full-Office.